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Wann ist ein alkoholfreies Bier gut genug für unseren Shop?

Autorenbild: raoulvanneer
raoulvanneer
vor 4 Stunden
3 Min. Lesezeit

In der Anfangszeit von ONP5 probierte ich einen alkoholfreien Porter von Braxzz. Ich fand ihn ungenießbar. Zu flach, zu malzig. Sicherheitshalber ließ ich noch jemanden probieren. Die Begeisterung hielt sich auch dort in Grenzen. Damit war die Sache entschieden: Dieses Bier kommt nicht in den Shop.

Flasche Braxzz Porter 0.0 neben einem Glas dunklem Bier mit Schaumkrone auf einem Gartentisch.

Nicht viel später fragte ein Kunde, warum wir diesen Porter nicht im Sortiment hätten. Für ihn war es das beste alkoholfreie Bier, das er je getrunken hatte.

Was ich flach fand, nannte er dezent. Und diese herbe Note? Die mochte er gerade besonders.

Wir haben das Bier dann doch aufgenommen. Eine wichtige Lektion, schon früh in der Geschichte unseres Shops: Unser Geschmack ist nicht für alle der Maßstab.


Ein Bier muss etwas zu bieten haben

Natürlich achten wir auf Qualität. Aber „gut“ bedeutet für uns nicht, dass jedes Bier möglichst kräftig und ausgefallen sein muss.

Bei einem Fruchtbier wollen wir die echte Frucht auch schmecken. Bei einem IPA suchen wir nach einem schönen Hopfencharakter. Ein Bier darf aber auch ganz klar und schnörkellos sein. Dann wünschen wir uns diesen frischen Pilsgeschmack oder eine schöne Malzbalance. Es braucht nicht immer Mango, Kaffee oder Schokolade, um uns zu begeistern. Wir suchen nach etwas, bei dem wir denken: Ja, das hat etwas.

Genau das macht kleine Craftbrauereien für uns so interessant. Bei großen Brauereien spielt ein gleichbleibender Geschmack eine wichtige Rolle. Das vertraute Lieblingsbier soll überall gleich schmecken. Bei kleineren Brauern sehen wir oft mehr Spielraum, weiter zu tüfteln. Eine andere Hopfensorte, eine angepasste Rezeptur, eine etwas andere Balance.

Ich sage manchmal: Große Brauereien arbeiten mit Rezepten, kleine Brauer eher mit Konzepten. Das ist etwas pauschal, beschreibt aber einen Teil dessen, was uns an Craftbier gefällt. Mit der nächsten Version kann ein Brauer einen wieder aufs Neue überraschen.


Wir probieren gemeinsam

Wenn Bas, Fenna und Maxim da sind, probieren sie mit. Wir sprechen darüber, was wir riechen und schmecken. Manchmal weiß man sofort, was man von einem Bier hält. Manchmal findet man es erst im Gespräch heraus.

Auch Kunden probieren gelegentlich mit, wenn sie zufällig gerade im Shop sind. Daraus entstehen oft schöne Gespräche. Besonders dann, wenn jemand etwas ganz anderes aus einem Bier herausschmeckt als wir.

Dabei versuchen wir, zwischen einem weniger gut gemachten Bier und einem Bier zu unterscheiden, das einfach nicht unseren Geschmack trifft. Das sind zwei verschiedene Dinge. Der Porter von Braxzz erinnert uns noch immer daran.

Und manchmal muss man sich einen kleinen Ruck geben. Eigentlich ist einem gerade nicht nach einem Sour. Dann nimmt man doch einen Schluck, wird überrascht und freut sich darüber. Das sind schöne Momente.


Manchmal müssen wir etwas wagen

Am liebsten probieren wir, bevor wir einkaufen. Nur klappt das nicht immer.

Wenn wir Biere selbst aus dem Ausland holen oder importieren lassen, können wir nicht immer vorher eine Probedose bestellen. Dann schauen wir uns Bewertungen auf Untappd an, lesen Erfahrungsberichte in den sozialen Medien und versuchen einzuschätzen, ob das Bier unseren Kunden gefallen könnte. Und wie viel wir davon bestellen sollten.

Bei einer neuen Veröffentlichung einer bekannten Brauerei gibt es manchmal noch nicht einmal Bewertungen. Dann müssen wir uns auf bisherige Erfahrungen und unsere eigene Einschätzung verlassen.

Das geht nicht immer gut. Ganz selten enttäuscht ein Bier. Es kann aber auch genau andersherum laufen.

Von Omnipollo habe ich anfangs regelmäßig zu wenig bestellt. Die Biere waren nicht günstig, deshalb war ich beim Einkauf vorsichtig. Anschließend gingen sie weg wie warme Semmeln. Auch die Free-Gelato-Reihe von Funky Fluid konnten wir gerade am Anfang kaum schnell genug nachbestellen. Offenbar waren unsere Kunden deutlich weniger zurückhaltend als ich.


Und dann ist da noch der Preis

Ein gutes Bier kann trotzdem zu teuer für das sein, was es bietet. Deshalb behalten wir das Preis-Leistungs-Verhältnis immer im Blick.

Bei einem höheren Preis wollen wir auch etwas Besonderes im Glas finden. Echte Früchte, interessante Gewürze, viel Hopfen, Kaffee, Schokolade oder eine rauchige Note. Oder eine Kombination, bei der man vorher denkt: Ob das wohl funktioniert? Und nach dem ersten Schluck weiß man: Ja, tut es.

Aber auch ein bezahlbares, gut gemachtes Bier verdient einen Platz. Jede Woche kommen bei uns etwa fünf bis zehn neue Biere an. Darunter sind vertraute Geschmacksrichtungen, aber auch Biere außerhalb unserer eigenen Komfortzone. Zum Glück. Wir fänden es ziemlich langweilig, wenn uns nie mehr etwas überraschen würde.

Was kannst du von unserer Auswahl erwarten? Wir schauen genau hin, bleiben neugierig und sagen ehrlich, was wir von einem Bier halten.


Ob du uns zustimmst, entscheidest du natürlich selbst.

 
 
 

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