Macht Hopfen süchtig?

Ich liebe gutes Bier. Das wird dich kaum überraschen. Und ich kann mich riesig auf ein gutes alkoholfreies IPA freuen. Eines, bei dem man schon beim Öffnen der Dose riecht, dass die Brauerei nicht am Hopfen gespart hat.
Aber warum hat man manchmal so große Lust darauf? Es geht um Biere mit bis zu 0,5 % Alkohol, am Alkohol liegt es also nicht. Könnte der Hopfen etwas damit zu tun haben? Schließlich ist Hopfen doch mit Cannabis verwandt, oder?
Grund genug, einmal herauszufinden, was diese Pflanze eigentlich bewirkt.

Zunächst einmal: Was ist Hopfen?
Hopfen ist eine Kletterpflanze. Zum Bierbrauen werden die weiblichen Blütenstände verwendet, die Hopfenzapfen. Sie enthalten Stoffe, die für Bitterkeit und Aroma sorgen. Je nach Hopfensorte riecht und schmeckt man zum Beispiel Zitrusfrüchte, Blüten, tropische Früchte oder etwas Harziges.
Das erklärt auch, warum zwei alkoholfreie IPAs so unterschiedlich schmecken können. Manche sind ziemlich bitter, bei anderen kommen einem die Fruchtaromen regelrecht entgegen. Die Wahl des Hopfens und die Art, wie er beim Brauen eingesetzt wird, machen einen großen Unterschied. Und genau das macht das Probieren so spannend. Es gibt so viele verschiedene alkoholfreie IPAs, dass man immer wieder etwas Neues entdeckt.
Mit Cannabis verwandt. Wirklich?
Ja. Hopfen und Cannabis gehören beide zur Familie der Hanfgewächse, den Cannabaceae. Ein guter Kandidat für die nächste Scrabble-Runde. Sie sind also botanisch miteinander verwandt. Das wäre doch eine nette Information fürs Bieretikett. Außerdem haben sie bestimmte Duftstoffe gemeinsam. Das kann erklären, warum manche kräftig gehopften Biere an einen anderen Geruch erinnern. Besonders bei diesen harzigen, oft als „dank“ bezeichneten Aromen.
Aber von gewöhnlichem Brauhopfen wird man nicht high. Die Verwandtschaft bedeutet nicht, dass Hopfen dieselben Inhaltsstoffe und dieselbe Wirkung wie Cannabis hat. Eine ordentliche Portion Hopfen macht dein alkoholfreies IPA also noch lange nicht zum flüssigen Joint.
Und was ist mit der entspannenden Wirkung?
Hopfen begegnet einem auch außerhalb der Bierwelt. Zum Beispiel in Kräutertees und in Schlafmitteln mit Pflanzenextrakten. Oft zusammen mit Baldrian. Traditionell wird er bei leichter Anspannung und zur Unterstützung des Einschlafens verwendet.
Das klingt nach einer prima Erklärung für das entspannte Gefühl bei einem Bier auf dem Sofa.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Die wissenschaftlichen Belege für eine schlaffördernde Wirkung von Hopfen sind begrenzt. Bei Studien zu einer Kombination aus Hopfen und Baldrian lässt sich außerdem nicht ohne Weiteres sagen, welcher Teil der Wirkung auf den Hopfen zurückgeht. Nur weil Hopfen in einem Schlafmittel steckt, wird alkoholfreies Bier also noch lange nicht selbst zum Schlafmittel. So verlockend dieser Gedanke auch sein mag.

Aber macht Hopfen nun süchtig?
Hopfen gilt nicht als süchtig machend. Es gibt keine Belege dafür, dass der übliche Gebrauch körperlich abhängig macht. Allerdings ist die langfristige Anwendung von Hopfen als eigenständiges pflanzliches Mittel nur begrenzt untersucht. Eine endgültige Aussage wäre deshalb zu einfach.
Woran man sich durchaus gewöhnen kann: an sein Bier. An den Geschmack, das kühle Glas und den Moment, in dem man es öffnet. Freitagnachmittag. Feierabend. Kurz hinsetzen. Ein leckeres alkoholfreies Bier. Wenn das oft zusammenkommt, kann man schon Lust auf ein Bier bekommen, bevor man den Kühlschrank geöffnet hat. Dafür muss Hopfen keine süchtig machende Wirkung haben. Und dass man sich am nächsten Freitag wieder darauf freut, macht Hopfen noch lange nicht zum Suchtmittel. Etwas lecker zu finden und körperlich abhängig zu sein, sind zwei verschiedene Dinge.
Ich selbst bin vor allem neugierig darauf, was Brauereien mit Hopfen alles anstellen können. Das eine Bier trifft meinen Geschmack, das andere weniger. Und manchmal erwischt man ein wirklich fantastisches Bier. Bei so einem Bier möchte ich vor allem wissen, welcher Hopfen drinsteckt. Dann habe ich bei der nächsten Dose wieder etwas, worauf ich achten kann.




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