Ich bin nicht alkoholabhängig
- raoulvanneer

- 11. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Es ist an der Zeit, meine eigene Geschichte aufzuschreiben. Ich werde regelmäßig gefragt, ob ich selbst noch Alkohol trinke. Seit dem 1. Januar 2025 tue ich das nicht mehr. Und es gefällt mir sehr gut so.
Habe ich etwa kein Problem damit? Natürlich habe ich eins. Genau deshalb schreibe ich das hier.
Dieser Blog verfolgt zwei Ziele. Zum einen hilft mir das Teilen meiner Geschichte, besser mit Momenten umzugehen, in denen ich Heißhunger auf ein Bier oder etwas anderes verspüre. Zum anderen möchte ich anderen in einer ähnlichen Situation helfen.

Ich fange mal mit dem Titel an.
Man kann grob drei Arten von Menschen unterscheiden, die mit dem Trinken aufhören. Die erste Gruppe hat damit wenig Probleme. Sie hatten ohnehin nie ein Alkoholproblem und können problemlos Nein sagen. Die zweite Gruppe ist körperlich abhängig: die starken Trinker, die sich selbst als Alkoholiker bezeichnen und es auch bleiben, selbst wenn sie schon lange keinen Alkohol mehr getrunken haben. David Bowie wird oft als Beispiel genannt.
Die dritte Gruppe liegt irgendwo dazwischen. Das sind Menschen, die regelmäßig bis viel trinken, aber trotzdem normal funktionieren. Keine sichtbaren Probleme, keine unmittelbaren Schäden. Sie sagen fast immer: „Ich habe kein Alkoholproblem.“ In ihrem Buch „Seit ich mit dem Trinken aufgehört habe“ schreibt Evi Hansen: „Ich war absolut keine Alkoholikerin.“ Das kann ich nachvollziehen.
Ich gehöre ebenfalls zu dieser dritten Gruppe.
Ich trank regelmäßig und war immer auf der Suche nach leckeren Getränken. Craft Beer war mein Hobby. Der Freitag war der perfekte Moment, um sich etwas Gutes zu gönnen und die Arbeitswoche ausklingen zu lassen.
Habe ich damals zu viel getrunken? Schließlich funktionierte ich ja einwandfrei. Es störte niemanden. Im Gegenteil, nach ein paar Drinks war ich oft geselliger. Trotzdem glaube ich heute, dass ich mehr getrunken habe, als mir guttat. Manchmal saß ich freitagabends allein zu Hause – meine Frau war arbeiten, die Kinder waren unterwegs – und da saß ich mit einem Craft-Bier. Irgendwann fühlte sich das … leer an. Alkohol kann die Geselligkeit fördern; er kann Menschen zusammenbringen. Aber wenn man ihn dafür braucht, stimmt vielleicht etwas nicht.
Warum es dann nicht einfach reduzieren?
Ich habe das oft genug versucht. Unter der Woche nicht trinken, nur am Wochenende. Aber dieses „Wochenende“ begann schon am Donnerstag. Und wenn es einen Grund gab, am Montag, Dienstag oder Mittwoch etwas zu trinken, habe ich ihn genutzt.
Das funktioniert für mich nicht. Die einzige Lösung ist: überhaupt keinen Alkohol zu trinken.
Das ist nichts Neues. Seit etwa zwanzig Jahren verzichte ich jedes Jahr während der Fastenzeit auf Alkohol. Danach verfalle ich aber immer wieder in meine alten Gewohnheiten.
2024 begann ich mit dem „Trockenen Januar“ und verlängerte ihn um die Fastenzeit. Drei Monate ohne Alkohol. Das lief überraschend gut. Tatsächlich ärgerte ich mich, dass ich danach wieder damit angefangen hatte. Deshalb beschloss ich 2025, es ein ganzes Jahr lang durchzuziehen. Und ich halte es immer noch durch.
Dennoch ist es manchmal schwierig. Ich hatte ja schon die Freitage erwähnt, aber besonders der Freitag vor einem verlängerten Wochenende, zum Beispiel zu Ostern, fühlt sich an wie ein doppelt so langes Wochenende. Dann gehe ich noch einmal mit dem Hund spazieren oder koche ein aufwendiges Essen, einfach um mich abzulenken.
Natürlich trinke ich dann alkoholfreies Bier. Und ich genieße es ungemein. Ich fühle mich wie ein Kind im Süßwarenladen, wenn ich mir in unserem Laden ein Bier aussuche.
Es tut gut, meine Geschichte so aufzuschreiben. Und wenn sie dir auch hilft, das Leben ohne Alkohol mehr zu genießen, ist das ein schöner Bonus.
Wenn Sie Ihre Geschichte ebenfalls teilen möchten, stellen wir Ihnen gerne unseren Blog dafür zur Verfügung.




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